November 24, 2011

Janus - Teil I

Das Wasser leuchtet, glitzert im Licht
der Sonne und schmeichelt den beiden
Augen, die es nachdenklich betrachten.
Hinter der Seele stehen Gebäude, 
Konstrukte voller Menschen, deren Herzen gleichsam unregelmäßig schlagen, Zukunft schaffen, Vergangenheit erleben und Gegenwart mit Leben füllen. Die Arme wie Flügel ausgebreitet steht das Wesen da und würde ein aufmerksamer Beobachter es unter die Lupe nehmen, würde er die Ruhe spüren, die wie ein zarter Schleier um die zierliche Gestalt strömt.

Ruhe. Frieden. Die Seele schaut nach innen, wie sie nach außen schaut, umspielt und durchdringt mich, verändert die Wahrnehmung, wie sich das Wetter in dieser Gegend ändert und träumt Realität. Was sich um meine kleine Insel abspielt, nehme ich kaum wahr, Musik dringt durch die Lautsprecher an meine Ohren und malt Bilder, die vor dem inneren Auge auftauchen, verschwimmen und neu gebildet werden. Meine Haut erinnert sich an die Berührungen eines fremden Wesens, dass mich noch nie fühlen konnte, meine Knochen erleben die alten Brüche neu, doch der Groll, den sie einst hegten, hat sich nun aufgelöst und wurde durch gelassenes Unverständnis ersetzt. Ihnen wurde Gewalt angetan, sie wurden in Stücke gerissen von Leuten, deren mangelndes Bewusstsein für ihre Umwelt und sich selbst irgendwann in ihrem Leben in taube Wut umgeschlagen war und deren einziges Ziel noch das Durchbrechen des ewig gleichen Trotts zu sein scheint. Nicht, dass mir die Wut, die sie damals antrieb, nicht bekannt wäre, doch solch sinnlose Früchte trug sie nie, so verlockend der Gedanke auch immer wieder gewesen ist. Die Welt aus den Angeln heben, Moral zum Teufel fahren zu lassen und selbst über Wohl und Unheil bestimmen zu können, hat sicherlich einen tief in der Seele eines jeden Menschen verwurzelten Reiz, doch wo stünde ich jetzt, hätte ich diesen ungehemmten Wünschen nachgegeben? Hätte ich dem roten Schleier jemals wieder entkommen können? Würde ich die Nähe überhaupt noch zulassen können, die mein treues Herz mir trotz aller Schrecken, die es erlebt hat, noch immer ermöglicht? Sicher, mein Herz hat mich leiden lassen, Verrat zugelassen und viel zu oft wieder verziehen, wenn es eigentlich nicht mehr verzeihen sollte, aber trotz allem will ich es nicht missen, wenn ich in diese unstete Welt hinausgehe und vielleicht sogar eine andere Seele an ihm teilhaben lassen kann. Der Weg, auf den ich es schicken werde, wird voller Nägel sein, die noch viele Wunden reißen könnten, doch die Alternative wäre trostlos, angsteinflößend, schrecklich. Das ist diese Welt schon viel zu häufig und verdeckt damit viel zu oft, was für wunderschöne Lichter die große Dunkelheit immer mal wieder durchbrechen. Der Gewalt zum Trotz drehe ich mich um, wende meine Augen vom Wasser ab, Blicke auf das matte grau der Gebäude, das dumpfe Erscheinungsbild all jener, die einen jeden Tag leben, als gäbe es ihn gar nicht und beginne zu lachen. Sie schauen mich an, starren mit ihren ausdruckslosen Gesichtern entsetzt auf das Eindringen meiner bescheidenen Person in ihr viel zu starres Weltbild und schütteln mitleidig den Kopf. Krank müsse ich sein, denken wohl einige, andere werden meinen Zustand auf den Konsum verschiedener Substanzen zurückführen, doch im Gegensatz zu ihnen weiß ich, dass ich es gelernt habe, Kopfzustehen, die Welt aus einem viel subtileren Blickwinkel zu betrachten und mich ihr nicht einfach nur knechtisch zu ergeben. Die Worte schwingen noch einen Moment nach, als ich leise in das Gerät spreche, dass mir den Kontakt zu so vielen ermöglichen könnte, aber nur von wenigen wirklich genutzt wird: „Mach Dir keine Sorgen, ich habe lediglich nachdenken müssen.“

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