Sie behaupten, dass eine Stadt singen würde, aber sie irren sich. Sie brüllt, lässt das seelische Trommelfell bis kurz vor dem Zerreißen leiden, nur um das malträtierte Stück Fleisch in eine endlose Stille seiner selbst fallen zu lassen. Taumelnd treibt es mich über Asphalt, Pflaster, Knochen und Haut einer Wesenheit, deren simpelstes Verständnis zu ergreifen ich nicht in der Lage bin und doch suche ich auf meinem Weg, der nur einer ist, weil ich ihn beschreite, nach dem Blut, das unweigerlich aus den Fugen und Ritzen, den verkümmerten Geschlechtsorganen dieses Molochs strömen müsste, wäre diese Gegenwart ehrlich genug. Doch kein Lebenssaft fließt, obgleich so viel gesplittertes Seelenglas ausreichen müsste, um jede Straße und Gasse in ihm ersaufen zu lassen. Wie aus weiter Ferne übertönt das Bellen der Hunde das dissonante Kreischen, dass sich in meinen Gehörgängen festgesetzt hat, bringt das abgestorbene in mir in Wallung, füttert die wenige Reste des, trotz dem seit Jahren erlebten noch lebenden, Verstandes mit einem lieblichen Anflug von tauber, kompromiss- und sinnloser Wut, die jeden Moment aus mir herausbrechen kann, wie ein ungewolltes Kind aus einer ungewollten Mutter. Ich blicke an mir herab. Brüste. Das zwischen den Beinen. Haut – vielmehr mich umspannendes vernarbtes Tuch. Wo sind die Nähte, die ich sehen müsste? Wo? Ich fühle all das nicht, was sich so unbeschreiblich schön anfühlen soll. Ich bin nicht geil, aber ich sollte es sein, schließlich ist die Welt doch auch geil auf mich, oder? Ich bin betäubt. Da, wo Nähte sein sollten, sind betäubte Anhängsel und Einbuchtungen meines der Welt nicht ausreichenden Körpers. Die Schemen um mich herum nehmen mich nicht wahr, ich sie auch nicht, wozu auch? Grau in grau an grau bleibt immer wieder grau. Das, was um mich herum ist, bleibt farblos, es sei denn, etwas durchbricht diesen Trott, dem sich diese Automaten verschrieben haben. Ich selbst weiß aber schon lange nicht mehr, wie ich diesem nicht aufzuhaltenden System der Sinnlosigkeit etwas wirklich bedeutsames entgegensetzen kann. Ich habe es versucht, habe Gedanken spielen lassen, was passieren würde, wenn man all den Schemen etwas zeigen würde, was sie nicht ignorieren könnten – mich selbst, nackt, zerschnitten, reitend und stöhnend auf einem Denkmal -, aber zu dem Ziel, dass ich im Sinn hätte, würde auch das nicht beitragen. Stoppe kein laufendes System. Stoppe Dich nicht selbst. Bleib in Bewegung. Sei Du selbst, ohne Du selbst zu sein. Spiele, wo erwartet wird, dass Du spielst. Frage, wo keine Antwort kommen wird und antworte, wenn es die fragende Person nicht interessiert. Spiel. Satz. Lüge. Die Hunde kommen, ich höre sie, wie sie mir hinterher hetzen, wie ich selbst zu einem werde, schon längst einer bin und vor so vielen Gedanken zu einem geworden bin und ich spüre dort die Gewalt in meinem Maul, wo vorher nur sinnloses Gestammel zu finden war. Ich beiße um mich, lasse rote Flüsse im grau entstehen, Schreie, wo die Stadt ihre Stille beansprucht, hasse, weil sich außer der Liebe kein Gefühl mehr lohnt und liebe nicht, weil ich auch dieses Gefühl zerreißen könnte. Die Stadt singt, die Hunde ziehen weiter, aber ich... Ich bleibe zurück, werde einmal mehr von der Gewalt der vielfältigen Farbtöne erschlagen, die grau in sich birgt, bleibe innerlich farbenfroh, doch abgestumpft und wieder drängt der Wunsch in mir hoch, den Hunden einmal das zu geben, was sie verlangen und es nicht nur eine Spielerei der Gedanken sein zu lassen...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen